profaxpreis 2014: Projekt Sezam

Die Nichtregierungsorganisation Sezam von Venira Alihodzic und Emir Dzidic in Bosnien und Herzegowina erhält den diesjährigen profaxpreis der profax Stiftung für herausragende Bildungsleistungen zugesprochen. Die Preisträger sind mit ihrer Organisation in der Lehrerweiterbildung tätig mit Programmen zur Versöhnung und Frieden für Schulen des bosnischen und serbischen Teils. Die Stiftungspräsidentin alt Nationalrätin Dr. Ruth Gonseth überreichte den mit 20’000 Franken dotierten Preis für 2014 am 8. Mai an einer Feier in Zürich.

Die Gründerin und Leiterin Venira Alihodzic verfolgt seit 18 Jahren das Ziel eines versöhnten, solidarischen und friedlichen Landes mittels Ausbildungsprogrammen für Schulen des bosnischen und serbischen Teils. Durch die direkten Erfahrungen „Mensch zu Mensch“ der teilnehmenden Lehrpersonen werden in Kursen während zwei Jahren Misstrauen, Vorurteile und Angst abgebaut, Feindbilder überwunden und Vertrauen, Respekt und Freundschaften aufgebaut. Damit sollen die auf beiden Seiten vorhandenen Kriegstraumata überwunden werden und mit diesen Erkenntnissen, dass alle gelitten haben, und einem Training in gewaltfreier Kommunikation sollen die Lehrpersonen den Schülerinnen und Schüler eine konfliktarme und verständnisvolle Grundlage für das gemeinsame Leben vermitteln.

Die profax Stiftung findet, dass dieses Projekt zu wichtigen Zielen auf dem Balkan einen wesentlichen Beitrag leistet – nämlich Frieden und Versöhnung – und dies mit anhaltend wirkenden Massnahmen an der Wurzel, nämlich im Bildungsbereich. Versöhnung beginnt zwar in der Familie, aber die Schule spielt dabei eine wesentliche Rolle: Mulitplikator und Verstärker in die eine (nationalistische) oder andere toleranzgeprägte Richtung.
Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt einen essentiellen Beitrag mittels einer spezifischen Weiterbildung der Lehrpersonen zu einem friedvolleren Leben in Bosnien leistet. Ohne eine solche Versöhnung ist eine Konzentration auf wichtige Entwicklungsthemen in Bosnien blockiert und eine mentale und wirtschaftliche Stagnation, welche Armut und Hoffnungslosigkeit weiterschreibt, ist die Folge.

Die profax Stiftung, Mönchaltorf, vergibt jährlich eine Auszeichnung für herausragende Leistungen von Einzelpersonen oder Institutionen auf dem Gebiet des Unterrichts- und Bildungswesens. Sie wurde 2003 auf Initiative der inzwischen verstorbenen Gründerin des Zürcher Lehrmittel-Verlags Profax, Gertrud Zimmermann, ins Leben gerufen. Preisverleihung: Kulturzentrum Songtsen House, Albisriederstrasse 379, 8047 Zürich, 8. Mai, 17.30 Uhr

Pressemitteilung

Profaxpreis für Projekt Sezam: Versöhnung durch Bildung im Balkan

Die Nichtregierungsorganisation Sezam von Venira Alihodzic und Emir Dzidic in Bosnien und Herzegowina erhält die diesjährige Auszeichnung der profax Stiftung für herausragende Bildungsleistungen zugesprochen. Die Preisträger sind mit ihrer Organisation in der Lehrerweiterbildung tätig mit Programmen zur Versöhnung und Frieden für Schulen des bosnischen und serbischen Teils. Die Stiftungspräsidentin alt Nationalrätin Dr. Ruth Gonseth überreichte den mit 20’000 Franken dotierten Preis für 2014 am 8. Mai an einer Feier in Zürich.

Die Gründerin und Leiterin Venira Alihodzic verfolgt seit 18 Jahren das Ziel eines versöhnten, solidarischen und friedlichen Landes mittels Ausbildungsprogrammen für Schulen des bosnischen und serbischen Teils. Durch die direkten Erfahrungen „Mensch zu Mensch“ der teilnehmenden Lehrpersonen werden in Kursen während zwei Jahren Misstrauen, Vorurteile und Angst abgebaut, Feindbilder überwunden und Vertrauen, Respekt und Freundschaften aufgebaut. Damit sollen die auf beiden Seiten vorhandenen Kriegstraumata überwunden werden und mit diesen Erkenntnissen, dass alle gelitten haben, und einem Training in gewaltfreier Kommunikation sollen die Lehrpersonen den Schülerinnen und Schüler eine konfliktarme und verständnisvolle Grundlage für das gemeinsame Leben vermitteln.

Die profax Stiftung findet, dass dieses Projekt zu wichtigen Zielen auf dem Balkan einen wesentlichen Beitrag leistet – nämlich Frieden und Versöhnung – und dies mit anhaltend wirkenden Massnahmen an der Wurzel, nämlich im Bildungsbereich. Versöhnung beginnt zwar in der Familie, aber die Schule spielt dabei eine wesentliche Rolle: Mulitplikator und Verstärker in die eine (nationalistische) oder andere toleranzgeprägte Richtung.

Wir sind überzeugt, dass dieses Projekt einen essentiellen Beitrag mittels einer spezifischen Weiterbildung der Lehrpersonen zu einem friedvolleren Leben in Bosnien leistet. Ohne eine solche Versöhnung ist eine Konzentration auf wichtige Entwicklungsthemen in Bosnien blockiert und eine mentale und wirtschaftliche Stagnation, welche Armut und Hoffnungslosigkeit weiterschreibt, ist die Folge.

Die profax Stiftung, Mönchaltorf, vergibt jährlich den profaxpreis für herausragende Leistungen von Einzelpersonen oder Institutionen auf dem Gebiet des Unterrichts- und Bildungswesens. Sie wurde 2003 auf Initiative der inzwischen verstorbenen Gründerin des Zürcher Lehrmittel-Verlags Profax, Gertrud Zimmermann, ins Leben gerufen.

Laudatio

zur Verleihung des Profaxpreises an die humanitäre Organisation Sezam in Zenica, Bosnien und an das Mitarbeiterteam Venira Alihodžić und Emir Džidić am 8. Mai 2014 in Zürich, gehalten von Arne Engeli, Heks Programmbeauftragter 1993-2001 für das ehemalige Jugoslawien und seit 1998 Geschäftsführer der Stiftung Kriegstrauma-Therapie

Ich begegnete Venira Alihodžić erstmals im April 1996, also vor 18 Jahren, in der bescheidenen Lokalität von Sezam in Zenica. Ich befand mich als Programmbeauftragter des Heks / Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz für das ehemalige Jugoslawien auf einer Projekterkundungsreise. Ein halbes Jahr vorher war ich an einem internationalen Roundtable von Hilfswerken in Frankfurt a. M. einer anderen jungen Mitbegründerin von Sezam begegnet, deren Projektpräsentation mich aufmerken liess. Das war unmittelbar nach Abschluss des Dayton-Agreements gewesen, als es darum ging, die Nothilfe in Bosnien zu organisieren und vertrauenswürdige lokale Partner zu finden. Ich wollte nun Einblick nehmen in die konkrete Arbeit von Sezam mit traumatisierten Kindern. Mich beeindruckten das grosse persönliche Engagement der jungen Studentinnen, ihre kompetente Vorgehensweise, ihre Liebe zu den Kindern, und das unter prekären äusseren Verhältnissen. Sie hatten als Zwanzigjährige in der amerikanischen Organisation IMC / International Medical Corps die Kriegstraumata von Flüchtlingskindern aus Doboj, Banja Luka, Mostar, Gornij Vakuf, Srebrenica dokumentiert. Ich hatte mir damals notiert: 98% der Kinder haben ihr Haus, ihre vertraute Umgebung verloren, 97% haben Angst, ins Freie zu gehen und zu spielen, 86% haben Schlafstörungen und Albträume, 78% waren Zeuge grauenhafter Gewalt, 50% haben nächste Angehörige verloren oder waren selber verletzt.

Als sich die Amerikaner nach einem Jahr aus dem Programm zurückzogen, gründete die kleine bosnische Gruppe von jungen Frauen unter Venira Alihodzic 1993 die erste lokale NGO in Zenica. Es war ihnen nicht genug, die Kinder nur als kriegstraumatisiert zu identifizieren. Sie wollten psychologische Hilfe anbieten. Sie gaben der NGO den Namen Sezam. Sezam darum, weil es ihnen darum ging, die verborgenen Schätze der traumatisierten Kinder aufzuspüren. Da genügt freilich, anders als in Tausendundeinenacht, ein Zauberwort nicht, sondern das ist ein langer Therapie-Prozess. Die schrecklichen Kriegerlebnisse von brennenden Häusern, fallenden Bomben, Blut und Leichen, von zu Tode gekommenen Eltern oder Geschwistern, Flucht und Todesangst sind tief in der Seele der Kinder eingekapselt, niemand darf daran rühren, darüber sprechen, es wäre zu schmerzhaft. Die Folgen sind Apathie oder Aggressivität. Da gilt es, hat mir damals Venira erklärt, zuerst gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, dann sie ihre Erlebnisse zeichnen und malen zu lassen, Phantasiereisen und Rollenspiele zu machen, mit ihnen darüber zu reden, dass zum Leben stete Veränderung gehört, dass aus einer Raupe ein Schmetterling wird, aus dem Säugling ein Kind, ein Erwachsener, dann sie über ihre eigenen guten und schlechten Erfahrungen und Gefühle erzählen zu lassen, wovor hast du Angst, was macht dir Sorge, was machst du, wenn du wütend wirst, was heisst für dich Krieg? – bis sich das Kind schliesslich getraut, auch das tief in ihm Verschlossene anzuschauen. Wem das nie ermöglicht wird, der oder die läuft Gefahr, dass der verborgene Schmerz zu einem Messer umgeschmiedet wird, das später plötzlich gezückt, das Herz zur Mördergrube wird, das Opfer zum Täter, die Spirale der Gewalt sich weiter dreht, von Generation zu Generation. Darum ist Traumarbeit auch Friedensarbeit. Sie kann die Spirale der Gewalt stoppen.

Nach diesem Tag bei Sezam war für mich klar, in Sezam einen wichtigen, kompetenten, vertrauenswürdigen Partner gefunden zu haben, den es zu unterstützen galt. Zusammen mit Freunden und mit der Stadt St. Gallen konnte ich nach meiner Rückkehr Sezam als erstes einen Minibus verschaffen, damit die ins Projekt aufgenommenen Kinder aus den Schulhäusern zur Traumatherapie gebracht werden können. Diesen Bus holte Venira Alihodžić mit zwei weiteren MitarbeiterInnen im August 1996 in der Schweiz ab. Bei dieser Gelegenheit organisierte ich für sie verschiedene Auftritte, so in einer Klasse des Kindergärtnerinnenseminars, in einem Ausländertreffpunkt, an einer kirchlichen Veranstaltung und erlebte dabei, mit welchem didaktischen Geschick und mit welchem inneren Feuer Venira die Situation im kriegserschöpften Bosnien und ihre Arbeit mit traumatisierten Kindern anschaulich schildern konnte, wie sie die ZuhörerInnen motivierte, sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen.

Zur gleichen Zeit meldete sich bei mir im Heks eine Psychotherapeutin, Ursula Buhofer, die sich mit einem Teil ihres Vermögens in der Traumaarbeit in Bosnien engagieren wollte und mit der ich dann als Heks-Beauftragter die Stiftung Kriegstrauma-Therapie gründete, deren Geschäftsführer ich heute noch bin. Mit den Leuten von Sezam besuchte ich sie ebenfalls im August 1996 in Luzern und Sezam erhielt einen ersten grösseren Projektbeitrag. Von 1997 bis 2007 unterstützte dann Heks (der ehem. Zentralsekretär des Heks, Franz Schüle, ist unter uns) das Projekt mit jährlichen Beiträgen, seit 2007 ist es wieder die Stiftung Kriegstrauma-Therapie, die Beiträge von Fr. 20’000 jährlich leistet (= 40% des Budgets). Eine weitere finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt von der schweizerischen Corymba Foundation, die Enid Kopper vermittelt hat, und von der Mennoniten-Kirche. Eine Zeit lang war Sezam dank grösserer finanzieller Unterstützung in der Lage, acht aktive Mitarbeitende zu beschäftigen, heute sind es noch zwei, die beiden, die jetzt hier sind, Venira Alihodžić und Emir Džidić. Sie sind Trainer und administrative Kräfte zugleich.

1998 konnte ich Venira Alihodžić mit einer Kollegin zu einem vierzehntägigen Osteuropa-Frauenseminar in die dem Heks gehörende Casa Locarno einladen. Sie waren als einzige Muslimas eine Herausforderung für die reformierten und orthodoxen Frauen dort – und sie gewann ihre Herzen im Nu und haben beigetragen zum Gelingen des Seminars. Auch die MitarbeiterInnen des Heks, zu denen sie anschliessend über ihre Arbeit sprechen konnte, waren beeindruckt. Zwei Jahre später konnte ich Venira an das Internationale Seminar „Frieden von unten“ ins Kinderdorf Pestalozzi in Trogen einladen, das Heks zusammen mit anderen im Balkan tätigen Organisationen und der DEZA durchführte. Es ging hier einerseits um den Austausch unter den Menschen und Organisationen, die sich im ehemaligen Jugoslawien, aber auch an anderen Brennpunkten der Welt für soziale Rehabilitation, Menschenrechte und Frieden einsetzten, aber auch für das Vorbereiten von nächsten Schritten im Aufbau der Nachkriegsgesellschaft. Durch ihre kommunikationsfreudige und von Hoffnung getragene Art war auch hier Venira Alihodžić eine unterstützende und prägende Teilnehmerin. Sezam wurde in Bosnien und den Nachbarländern denn auch immer wieder zu Trainings in gewaltfreier Kommunikation und Friedensarbeit beigezogen. Venira hatte sich in den USA dafür speziell ausgebildet, u.a. in der Methode von Marshall Rosenberg, auch im Kontakt zu Quäkern. Das Berghof Forschungszentrum für konstruktive Konfliktbearbeitung in Berlin erwähnt Sezam als eine Key-Organisation für Friedensarbeit in Bosnien.

Ich konnte zweimal auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus der Schweiz vermitteln. Mehrere Monate lang wirkte Hanna Wintsch, eine in Kinder-Traumatherapie ausgebildete Psychologin aus Zürich, als Supervisorin in der Arbeit von Sezam mit. Sie gehört seit Beginn dem Stiftungsrat Kriegstrauma-Therapie an. Ein anders Mal waren zwei junge MusikerInnen aus der Schweiz bei Sezam zu Gast und unterstützten die Arbeit mit den Kindern für einige Zeit. Auch sie waren sehr angetan von der sensiblen und doch entschiedenen Art, wie Venira Alihodžić das Projekt leitete.

Zu meinen besten Erinnerungen an diese Zeit gehört der DEZA-Workshop im Jahr 2000 in Zenica, an dem die von schweizerischen Hilfswerken und der DEZA unterstützten Projektpartner in Bosnien, also auch Sezam, teilnehmen konnten. Sezam erhielt sehr viel Anerkennung für seine professionelle und nachhaltige Projektarbeit und die Art der Zusammenarbeit mit Heks. Ich füge an, dass von Anfang an die finanzielle und inhaltliche Berichterstattung über den Fortschritt des Projektes von Sezam immer sehr transparent und informativ war.

Schon bald hatte Sezam nicht nur die Kinder und ihre Eltern, sondern auch Lehrpersonen als Multiplikatoren ins Projekt einbezogen, um schliesslich ab 2005 sich ganz auf das Schulprojekt ‘’Teachers for Sustainable Peace’’ zu fokussieren. Ich habe 2007 das Projekt besucht. Ich schrieb damals in meinem Reisebericht: „Unser Projektpartner ‚Sezam’ hat diese Zusammenarbeit zwischen Schulen und ihren Lehrpersonen in der ethnisch und politisch geteilten Region Tesanj und Teslic entlang der ehemaligen Frontlinie vor einigen Jahren begonnen. Neben den Workshops und Trainings sind interreligiöse und interkulturelle Besuche im Programm (zu serbisch-orthodoxen, kroatisch-katholischen und bosniakisch-muslimischen Religionsgemeinschaften). Das politische Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Volksgruppen und Entitäten ist immer noch labil. Bosnien ist ein geteiltes Land. Tendenzen im serbischen Teil, sich abzuspalten, sind erneut sehr virulent. Das Projekt arbeitet dieser Tendenz entgegen. Ziel ist es, zwischen den nach Ethnien getrennten Schulen an der ehemaligen Frontlinie wieder gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, die Lehrpersonen zur gewaltfreien Kommunikation und aktivem Zuhören anzuleiten und ihnen neue Formen des Unterrichtens zu vermitteln, die stärker auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Viele Lehrpersonen haben selber traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. – Wir fahren mit Venira und Emir in das abgelegene serbische Dorf Blatnica in der Republica Srpska. Unterwegs Abfalldeponien längs der Strasse und an der Bosna. Zerschossene, abgebrannte Häuser. Das Land wird kaum landwirtschaftlich genutzt, weil vermint. Die Dörfer sind jetzt ethnisch ‚clean‘. Die Schulgemeinde besteht aus drei Dörfern. Ins Dorf Kamenica sind Muslime zurückgekehrt, 180 gehen dort zu Schule und werden von der serbischen Lehrerschaft aus Blatnica in der Nachmittagsschicht unterrichtet. Das ist eine Herausforderung. Der Krieg mit seinen schrecklichen Erlebnissen hat das Vertrauen zerstört. Nun muss gelernt werden, Feindbilder zu überwinden, einander mit Respekt zu begegnen, wieder ein bosnisches Haus zu betreten. In den gemischten Workshops wird gewaltfreie Kommunikation trainiert. Neue Arbeitsmethoden werden ausprobiert. Mit Lehrpersonen aus fünf anderen Schulen, darunter auch solche kroatischer und muslimischer Ethnie, wird ein Austausch gepflegt; Freundschaften entstehen, Projekte werden entwickelt, z.B. gemischte Sportgruppen, Theater, Bäume pflanzen ums Schulhaus. Es ist Friedensarbeit, die hier seit Jahren unter widrigen Umständen geleistet wird.“

Brigitte Heckendorn hat mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule Basel wiederholt dieses Schulprojekt besucht. In einem Bericht schreibt sie: „Eindrücklich bleibt mir in Erinnerung, wie gross die eigene Befriedigung einer betroffenen Lehrerin war: Seit sie den Kurs «Gewaltfreie Kommunikation» bei Sezam besucht habe, sei sie sich ihrer eigenen Gefühle mehr bewusst und nehme die Befindlichkeiten ihrer SchülerInnen besser wahr. Sie ermuntere nun ihrerseits die SchülerInnen, sich auch miteinander achtsamer zu verhalten und stelle fest, wie im Schulalltag „alles“ viel einfacher und friedlicher vor sich gehe.“ Eine andere Lehrerin bekennt: “Ich habe durch die Workshops über mich selbst viel gelernt und kann jetzt mehr Zuversicht, Sicherheit und Vertrauen an meine SchülerInnen weitergeben.”

Eine Schwierigkeit, mit der das Team immer wieder konfrontiert war, bestand darin, dass die schul- und bildungspolitische Bestimmungen der übergeordneten Ebene auf ethnische Separation gerichtet sind (uneinheitliche Lehrpläne, die keinen muttersprachlichen Unterricht, sondern entweder bosnische oder serbische Sprache vorschreiben, etc.). Diese erschweren den an multiethnischer Zusammenarbeit interessierten Pädagogen das Leben und führen vielerorts zur räumlichen Trennung von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft.

Ende dieses Schuljahres wird das dreijährige Projekt mit den letzten sechs Schulen dieser Region abgeschlossen sein. Wir sind gespannt, was nachher folgen wird. Angesichts der aktuellen Situation in Bosnien ist der Einsatz von Sezam weiterhin dringend nötig. Im Februar haben die zum Teil gewalttätige Rebellion von Arbeitern, Jugendlichen, Rentnern und Lehrern in verschiedenen Städten Bosniens die Wut über korrupte Politiker und Behörden zum Ausdruck gebracht, auch in Zenica. 70% des Staatsbudgets gehen für den aufgeblähten Staatsapparat drauf. Die dringend nötigen Reformen bleiben aus. 44% der Bosnier im arbeitsfähigen Alter sind arbeitslos. Die Arbeiter von vier pleitebedrohten, zuvor privatisierten Betrieben in Tuzla hatten seit 54 Wochen keinen Lohn erhalten. „Das Land erwacht aus dem Koma“ titelte eine Zeitung. Wirklich?

Zur aktuellen Situation wird Venira Alihodzic am kommenden Montag, 12. Mai, nachmittags im Käfigturm in Bern, an einem Podiumsgespräch von KOFF und Swisspeace teilnehmen zum Thema: What Can We Learn From Peace Movements? General thoughts and reference to Bosnia’s current social movements“.

Im Internet habe ich zum Stichwort „Sezam in Zenica“ gegoogelt. Ich stiess auf ein Video aus der Anfangszeit. Zu Beginn wird dort Ernest Hemingway zitiert:
„Never think that war is not a crime,
no matter how necessary or how justified it seems”
Die Folgen eines jeden Krieges sind so grauenhaft und zerstören Leib und Seele von Menschen, ja eine ganze Gesellschaft auf Generationen hin und auch die Natur, dass ein Krieg niemals gerechtfertigt werden kann. Das ist meine Erkenntnis aus den Jahren bei Heks und bei der Stiftung Kriegstrauma-Therapie. Wenn du Frieden willst, musst du den Frieden vorbereiten!

Wir vom Stiftungsrat, von Heks und die weiteren Freunde von Sesam in der Schweiz, haben grosse Hochachtung, mit welcher Beharrlichkeit, Ausdauer und innerer Kraft sich die beiden Projektverantwortlichen mit bescheidenen Mitteln für Versöhnung und für eine menschlichere Welt einsetzen. Herzliche Grüsse kann ich noch vom Ökumenischen Hilfswerk in Novi Sad / Serbien ausrichten – sie erinnern sich gerne an die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Sezam (das Bild auf der Einladung für heute erinnert daran). Wir alle freuen unssehr, dass Venira Alihodžić und Emir Džidić und mit ihnen ihre Organisation Sezam mit der heutigen Preisverleihung die verdiente Anerkennung bekommen.